EHS und ESG: Zwei Systeme, ein gemeinsames Ziel
Im Kontext unternehmerischer Verantwortung begegnen Unternehmen zunehmend zwei Begriffen: EHS (Environment, Health & Safety) und ESG (Environmental, Social & Governance). Beide beschäftigen sich mit Umwelt, Sicherheit und sozialer Verantwortung, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrem Ansatz, ihrer Reichweite und Zielsetzung.
Während EHS stark auf gesetzliche Anforderungen und betriebliche Abläufe fokussiert ist, steht bei ESG die strategische Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette im Vordergrund. Das Verständnis der Unterschiede ist zentral, wenn Unternehmen sowohl rechtlichen Anforderungen als auch gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden wollen.
Abgrenzung: Was EHS und ESG jeweils umfasst
EHS – Standortbezogene operative Verantwortung
EHS bezieht sich auf Massnahmen zur Einhaltung gesetzlicher Anforderungen in den Bereichen Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. In der Schweiz werden diese Pflichten unter anderem durch folgende Rechtsgrundlagen geregelt:
- Umweltschutzgesetz (USG) und Gewässerschutzgesetz (GSchG) mit Verordnungen wie LRV und GSchV
- Arbeitsgesetz (ArG), Unfallversicherungsgesetz (UVG), Verordnung über die Unfallverhütung (VUV)
- Chemikalienrecht (ChemG, ChemV, ChemRRV) und ergänzende Fachregelungen
Der Fokus liegt auf betriebsinternen Prozessen, etwa in der Gefährdungsbeurteilung, technischen Schutzmassnahmen oder der Dokumentation für Behörden. EHS wird häufig über Managementsysteme wie ISO 14001 oder ISO 45001 gesteuert.
ESG – Strategische Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette
ESG erweitert den Fokus auf die unternehmerische Verantwortung über den eigenen Standort hinaus. Dabei geht es insbesondere um:
- Environmental (E): CO₂-Bilanzen, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft – auch in vor- und nachgelagerten Prozessen
- Social (S): Arbeitsbedingungen, Gleichstellung, Menschenrechte – z. B. in Bezug auf Kinderarbeit
- Governance (G): Unternehmensethik, Integrität, Whistleblowing, Korruptionsbekämpfung
ESG ist stark stakeholderorientiert und zunehmend Gegenstand regulatorischer Anforderungen – insbesondere im Rahmen der EU-Richtlinien CSRD, CSDDD, der EU-Taxonomie sowie diverser Berichtsstandards. Die Berücksichtigung erfolgt häufig im Rahmen von Nachhaltigkeitsberichten, Investorenratings oder der unternehmerischen Risikoanalyse.
Vergleich: EHS und ESG im Überblick
| Merkmal | EHS (Environment, Health & Safety) | ESG (Environmental, Social & Governance) |
| Fokus | Standortbezogene und Betriebsprozesse | Globale Lieferkette und Unternehmensstrategie |
| Zielsetzung | Rechtskonformität, Umwelt- & Arbeitsschutz | Nachhaltigkeit, ethisches Handeln |
| Verankerung | ISO 14001, ISO 45001 | EU-Richtlinien, Berichterstattung, Ratings |
| Haupttreiber | Nationale Vorschriften, Aufsichtsbehörden | Investoren, NGOs, EU-Gesetzgebung |
| Tools & Methoden | Rechtskataster, Gefahrstoffmanagement | ESG-Kennzahlen, Risikoanalyse, Berichte |
Verknüpfung von EHS und ESG
In der Praxis zeigt sich, dass EHS und ESG nicht im Widerspruch stehen, sondern aufeinander aufbauen. Unternehmen mit etablierten EHS-Strukturen schaffen häufig eine gute Grundlage für ESG-relevante Anforderungen. Das könnte zum Beispiel so aussehen:
- Umweltdaten aus ISO 14001-Audits können für CO₂-Bilanzen genutzt werden
- Strukturen des Arbeitsschutzes lassen sich auf soziale Risiken ausweiten
- Dokumentierte Verfahren aus EHS-Systemen helfen beim Aufbau von ESG-Berichtssystemen
Gleichzeitig verlangt ESG zusätzliche Perspektiven, z.B. Fragen nach dem Rohstoffursprung, menschenrechtlichen Risiken in Lieferketten oder Gleichstellungsfragen in der Organisation.
Umsetzung: Unterstützung durch COMPLYANT und ESG Legal Compass
Zur strukturierten Umsetzung beider Systeme bietet die Software COMPLYANT in Kombination mit dem ESG Legal Compass eine integrierte Lösung:
- EHS: Verwaltung von Umwelt-, Sicherheits- und Gesundheitspflichten, inkl. Rechtskataster, Gap-Analysen und Massnahmenverfolgung
- ESG: Identifikation und Bewertung von Anforderungen aus Richtlinien wie CSRD, CSDDD, der EU-Entwaldungsverordnung oder ESG-relevanten Teilen des Schweizer OR
Beide Module ermöglichen eine Selbstbewertung, strukturierte Dokumentation und Nachverfolgung von Massnahmen, sowohl für interne Zwecke als auch für externe Audits oder Berichterstattung.
Fazit: EHS und ESG gemeinsam denken
In einem zunehmend regulierten und vernetzten Umfeld reicht die reine Erfüllung gesetzlicher Standortpflichten nicht mehr aus. Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, ökologische, soziale und ethische Verantwortung entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette wahrzunehmen.
Die Kombination von EHS-Management mit ESG-Strategie schafft die Basis für eine ganzheitliche und zukunftsorientierte Unternehmensführung – strukturiert, nachvollziehbar und anschlussfähig an internationale Standards.
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